Die Axtsuppe

Ein Soldat hatte seinen Militärdienst beendet und kehrte nach Hause zurück, und unterwegs bat er
auf einem Bauernhof um Nachtquartier.
Die Hausfrau sagte: „Ich würde dir gern Nachtquartier geben, doch wir haben nichts zu essen.“
(In Wirklichkeit hatten sie schon was, aber sie wollte nur nichts geben.)
Der Soldat sagte: „Nun, dann wollen wir eine Axtsuppe kochen. Such eine alte Axt hervor!“
Die Hausfrau suchte nach und fand zwischen dem Ofen und der Wand eine alte Axt.
„Wasch sie sauber!“
Und die Frau wusch sie sauber, brachte einen Kessel voll Wasser und legte die Axt in den Kessel.
Dann kochte das Wasser. Der Soldat rührte mit dem Schöpflöffel und sagte: „Wird sehr kräftig,
ein Stückchen Schweinefleisch wäre nötig, dann wird sie nicht so kräftig.“
Als die Frau in den Speicher nach Fleisch gegangen war, schüttete der Soldat das Wasser mitsamt
der Axt aus und goß frisches Wasser in den Kessel.
Bald kochte das Schweinefleisch.
Der Soldat rührte wieder und sagte: „Nein, Schweinefleisch allein genügt nicht, es ist immer
noch zu kräftig. Wenn du es hast, bring ein Stück Hammelfleisch, es ist magerer.“
Die Hausfrau ging und brachte ein Stück Hammelfleisch in den Kessel.
Dann kochte das Fleisch. Der Soldat rührte wieder und sagte: „Immer noch zu kräftig. Bring eine
Tasse voll Graupen, wenn du hast.“
Die Hausfrau brachte Graupen.
Und nun kochten die Graupen und das Fleisch.
Der Soldat rührte und sagte wieder: „Immer noch zu kräftig! Wenn wir einige Kartoffelstückchen
schälen und dazutun würden? Kartoffel ist am magersten, sie nimmt vielleicht das Kräftige weg.“
Dann schälten sie Kartoffeln, wuschen sie und legten sie in den Kessel.
Danach fragte die Hausfrau: „Wie habt ihr denn dort im Kriegsland gesprochen, wohl russisch?“
„Natürlich auch russisch“, sagte der Soldat.
„Wie war denn diese russische Sprache?“
„Ein Blechknopf heißt Pugowits und der Fausthandschuh Rukowits.“
Die Alte fragte: „Und ein Wagen?“
„Aa wot jeeto Wagirka.“
„Na und wie heißt das, was wir in der Kirche in der Hand halten, wenn wir singen?“
„Aa jeeto Singopanka.“
„Und wie heißt denn Ochse dort im Kriegsland?“
„No wot jeeto Jeboxa.“
Dann schaute der Soldat nach der Suppe und sagte: „O du meine Güte! Während wir hier Russisch
lernen, ist die Axt ganz zerkocht, so daß nichts nachgeblieben ist. Wäre noch ein Stückchen Axt übriggeblieben, würde die Suppe noch besser geraten sein.“
Da kam auch der Mann aus dem Walde nach Hause. Die Alte lief ihm entgegen und sagte:
„Hör, Alter, ein alter Soldat kam zu uns übernachten, wir haben eine Axtsuppe gekocht.“
„Sonderbar, was kann denn das sein, eine Axtsuppe?“
Sie fingen an zu essen, und es war eine sehr gute Suppe.
Der Alte sagte: „Mir wollen die Zähne mit der Suppe hinunterrutschen.“
Sie aßen. Und am Morgen ging der Soldat fort und bedankte sich für das Nachtquartier.
Der Alte und die Alte aber bedankten sich bei dem Soldaten, daß er sie gelehrt hatte, aus einer
Axt Suppe zu kochen. Und sie blieben auch bei dem Glauben, daß es eine Axtsuppe war, und sie
glauben es bis heute!

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