Der Krieg der Vögel und der Insekten mit den Vierbeinern

Der Bär wollte für seinen Wohnungsbau aus einem Schutthaufen einen Armvoll Spreu nehmen. Der Zaunkönig bat ihn: „Nimm nicht von hier, nimm aus einem anderen Haufen. Hier ist das Nest mit meinen Jungen drin!“
„Nana“, brummte der Bär, „allein meine Pfote ist größer als du mit allen deinen Schnäbeln und Beinen zusammen, und ausgerechnet du willst mich belehren!“
„Sei so groß, wie du willst, mein Nest aber laß dennoch unberührt!“ bat der Zaunkönig und flog mit gesträubtem Gefieder um die Nase des Bären herum.
„Ich sehe, du willst mit mir die Kräfte messen“, sagte der Bär wütend. „Komm morgen auf den Berg Linnumägi. Dort soll der Kampf entscheiden, wer das Recht hat, etwas zu befehlen, und wer den anderen zu fürchten hat.“
Nun trieb der Bär alle vierbeinigen Waldbewohner auf dem erwähnten Berg zum Kampf zusammen.
Als der Zaunkönig davon erfuhr, rief er alle Vögel und Insekten vom Adler bis zur Mücke herbei.
Der Bär war mit seiner Streitmacht zeitig am Platz. Nach langen Besprechungen und Auseinandersetzungen wurde der Fuchs zum Befehlshaber ernannt.
Beim Übernehmen dieses Amtes reckte sich der Fuchs und sagte: „Während des Kampfes schaut alle auf meinen Schwanz. Wenn ich ihn hochhebe, ist der Sieg auf unserer Seite; lasse ich ihn hängen, ist Gefahr im Anzug. Wenn ich ihn aber ganz zur Erde senke, dann flüchtet. Denkt daran!“
Gegen Mittag langte auch der Zaunkönig mit seinen Leuten auf dem Kampfplatz an. Alle Vierbeiner waren schon kampfbereit. Der Fuchs stand abseits auf der Bergspitze, den Schwanz hoch erhoben.
Die Vögel und die Insekten schauten auf ihre Gegner und fragten einander: „Wer weiß, weshalb der Fuchs mit erhobenem Schwanz abseits von den anderen steht?“
„Ich fliege hin und jage ihn von der Bergspitze hinunter,“ sagte die Wespe, „bis dahin bleibt alle auf der Stelle.“
Sie flog von hinten an den Fuchs heran und jag-te ihm ihren Stachel unter den Schwanz, daß es schmerzte. Hui, wie da der Fuchs seinen Schwanz zwischen die Beine klemmte und mit Wehgeschrei in den Wald lief!
Als die Vierbeiner das sahen, erschraken sie, und nun war jeder nur auf die Flucht bedacht. Auf diese Weise fiel der Sieg vollständig dem Zaunkönig zu.
Ja, so ist es immer:
Beim Prahlen noch ein großer Bär,
Im Kampf reicht der Verstand nicht mehr.

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