Der Fuchs im Nachtquartier

Einst lief Reineke seines Weges dahin und fand im Graben einen Apfel.
Sowie er zur ersten Kate kam, klopfte er an und sagte: „Hausherr, Hausherr, ich bin ein Wanderer, komme von weither und bitte um ein Nachtquartier!“
Der Wirt antwortete: „Wir haben es selbst eng, sind eine große Familie, wo bringe ich dich unter?“
„Ich brauche nicht viel Raum. Ich lege mich selbst auf die Bank, meinen Schwanz stecke ich unter die Bank, und den Apfel werfe ich auf den Ofen.“
Man ließ den Fuchs herein. Er kletterte auf eine Bank, legte den Schwanz unter die Bank und warf den Apfel auf den Ofen.
Am nächsten Tag erhob er sich vor dem Morgengrauen, fraß den Apfel auf und weckte den Wirt.
„Wirt, Wirt, wo ist mein Apfel? Was gibst du mir für ihn? Gib ein weißes Huhn!“
Der Mann sah, daß nichts zu machen war, holte aus dem Stall ein weißes Huhn und gab es dem Fuchs. Der Fuchs freute sich, daß er ohne Mühe sein Fressen fand.
Im nächsten Dorf klopfte er wieder an die Tür einer Kate: „Wirt, Wirt, mach auf! Ich bin ein Wanderer, komme von weither und suche Nachtquartier!“
„Ich habe es selbst eng hier, wo soll ich dich hintun?“
Schließlich wurde der Fuchs hereingelassen. Er kletterte auf die Bank, legte den Schwanz unter die Bank, und das Huhn warf er auf den Ofen. Am nächsten Tag stand er vor dem Morgengrauen auf, holte das Huhn vom Ofen, riß es, warf die Federn in den Ofen, fraß das Huhn auf und weckte den Wirt.
„Wirt, wo ist mein Huhn? Was gibst du mir dafür? Gib mir ein kleines Ferkelchen!“
Der Mann sah, daß nichts zu machen war, holte aus dem Stall ein fleischiges Ferkel und gab es dem Fuchs. Wieder freute sich der Fuchs, daß er ohne Mühe den Wanst vollbekam.
Es wurde wieder Abend. Wieder ein Dorf. Und wieder klopfte der Fuchs an die Tür einer Kate.
„Wirt, Wirt, mach die Tür auf, ich bin ein Wan-derer aus fernen Landen, gib mir ein Nachtquartier!“
„Habe es selbst eng, wo soll ich dich hintun?“
Man ließ den Fuchs doch in die Stube. Er kletterte auf eine Bank, legte den Schwanz unter die Bank und packte das Ferkel auf den Ofen. Am nächsten Tag erhob er sich vor Morgengrauen, fraß das Ferkel auf und weckte den Wirt.
„Wirt, wo ist mein Ferkel? Was gibst du mir dafür? Gib eine Färse!“
Der Wirt sah, daß nichts zu machen war, holte aus dem Stall eine Färse und gab sie dem Fuchs.
Abend. Der Fuchs kam zu einem großen Laden, klopfte an die Tür und sagte: „Kaufmann, öffne die Tür! Ich bin ein weitgereister Händler und su-che Nachtquartier!“
„Ich habe selbst wenig Raum. Wo soll ich dich hintun?“
„Ich brauche nicht viel Raum. Die Färse bringe ich in die Wiegekammer, ich selbst lege mich auf den Ladentisch, den Schwanz unter den Laden-tisch.“
Man ließ den Fuchs ins Haus. Am nächsten Tag stand er vor Morgengrauen auf, riß die Färse, fraß das Fleisch auf, warf die Haut und die Knochen aus dem Fenster und weckte den Wirt.
„Wirt, Wirt, meine Färse ist weg! Was gibst du mir dafür? Gib mir das feine Ladenfräulein zur Braut!“
Der schlaue Ladenbesitzer sagte: „Ich würde sie dir gern geben, aber wie willst du sie von hier wegbringen?“
„Leg sie in einen Sack“, trug ihm der Fuchs auf.
Der schlaue Kaufmann steckte aber statt des Ladenfräuleins einen Köter in den Sack. Der Fuchs hob den Sack auf den Rücken und ging.
Er wollte nun anfangen zu singen, dachte aber dann: Ich habe ja eine Braut im Sack, mag sie doch singen.
Der Fuchs befiehlt der Braut zu singen, die Braut singt aber nicht. Der Fuchs nimmt den Sack vom Rücken, zwickt sanft in den Sack und flötet süß: „Bräutchen, Zartes, es zwickt dich dein Bräutigam! Sing ihm ein Liedchen!“
Aus dem Sack aber knurrte böse der Köter „Rrraaauh!“
Unser Reineke Fuchs verlor vor Schreck die Sprache, ließ den Sack, wo er war, und lief in den Wald. Der Köter aber zerbiß den Sack und trottete heim.

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